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Nachhaltige Bodennutzung: Bodenseminar-Reihe macht Station auf Rheinfelderhof

Wallerstädten, 4. Mai 2023. Rund 20 Teilnehmer aus der landwirtschaftlichen Praxis und Beratung waren zum Bodenseminar auf dem biologisch bewirtschafteten Rheinfelderhof in Wallerstädten im Kreis Groß-Gerau gekommen. Eingeladen hatten die Ökomodell-Region Süd in Kooperation mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen Beratungsteam Ökolandbau im Rahmen des Projekts Nachhaltige Bodennutzung. Geboten wurde ein vielfältiger Seminartag mit Theorie und Praxis.

Betriebsleiter Andreas Senckenberg bewirtschaftet den Rheinfelderhof zusammen mit Tatjana Jungermann in der 8. Generation. Bei der Umstellung auf Bio in 2017 ist damals bis heute die Kooperation mit der benachbarten Biogasanlage in Wallerstädten ein wichtiger Baustein. Dorthin werden unter anderem  Schnitte von Luzerne und Kleegras geliefert. Umgekehrt wird schnell wirksamer Dünger in Form von Gärresten zurück auf die Felder - in die verschiedenen Kulturen - ausgebracht. Auf dem Rheinfelderhof werden darüber hinaus außergewöhnliche Kulturen wie Brennnessel (Abb. 2), Pfefferminze und Zitronenmelisse und Edamame angebaut.

Zudem wurden auf rund 30 Hektar Haselnüsse gepflanzt, die sich aktuell noch im Wachstum in Richtung Vollertrag befinden (Abb. 3). Das Interesse an dieser mehrjährigen Kultur war groß und zahlreiche Fragen der Teilnehmenden konnten beantwortet werden. In der Fläche zwischen den Baumreihen wächst Heu für die Pensionspferdehaltung.

 

Jeder Boden ist einzigartig

Das vom Betrieb extra ausgehobene Bodenprofil (Abb. 1) gab Einblicke in die verschiedenen Schichten und Lagerungen des Bodens. In den tieferen Schichten existiert unter anderem eine abgelagerte Kalkschicht, die komplett fest und weitgehend undurchlässig ist. Für die Pflanzung der Haselnuss-Bäume wurde diese Schicht extra mit einem Bohrer durchgestoßen, um den Wurzeln das Wachstum in tiefere Schichten zu ermöglichen. Eine große Herausforderung am Standort ist der hohe Tongehalt im Boden von mehr als 60 Prozent. „Dadurch ist eine Bodenbearbeitung nach Trockenphasen, wie sie sich in den letzten Jahren häufen, teilweise gar nicht mehr möglich, da der Ton kompakt wird“, berichtet Andreas Senckenberg.

Den tendenziell abnehmenden Niederschlag in der Vegetationszeit beschreibt der Landwirt als ein großes Problem. Der Rheinfelderhof verfügt zwar Beregnungs-Infrastruktur und Wasserrechte, jedoch kommen einige Kulturen bei zu hoher Bewässerung auch an Grenzen der Wirtschaftlichkeit. Dieses Frühjahr bildet mit recht ergiebigem Niederschlag bisher eine regelrechte Ausnahme zum Trend der letzten Jahre. Mit Bezug auf die nachhaltige Bodennutzung vor Ort berichtet Bio-Landwirt Senckenberg auch über seine Strategien beispielsweise beim Komposteinsatz: „Immer wieder mit kleineren Mengen auf die Fläche gehen anstatt sehr große Mengen auf einmal, damit die Bodenbiologie immer wieder kontinuierlich Nahrung erhält.“

 

Wasserhaltung und Humusaufbau als Zukunftsthemen

Jan-Hendrik Cropp, Referent von der undercoverGbR und bodenfruchtbarkeit.net, gab anschaulich Einblicke in Theorie und Praxis. Dass in Zukunft vermutlich Konkurrenzen um das wichtige Gut „Wasser“ zunehmen werden, war eine seiner Einschätzungen. In seinem Vortrag am Hof präsentierte er Praxis-Beispiele nachhaltigen Bodenmanagements aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Einige Betriebe verwenden beispielsweise zunehmend Mulch in unterschiedlichen Rottegraden, um den Boden vor Austrocknung, aber auch vor Verunkrautung zu schützen. Solche Maßnahmen zu initiieren und mit Beratung zu begleiten, ist einer seiner Schwerpunkte. 2021 hat er das „Praxis-Handbuch Humusaufbau“ veröffentlicht.

Beim Thema Humus ging der Referent auch darauf ein, dass durch nachhaltige Bewirtschaftung der Nährhumus (0-30 cm des Oberbodens) maßgeblich beeinflusst werden kann, jedoch nicht oder kaum der Dauerhumus (tiefer als 30 cm). Leicht zersetzbare organischen Materialien wie z.B. Mulch fördern den Nährhumus, der wiederum die Kulturpflanzen mit Nährstoffen versorgt. Verschiedene Maßnahmen zur Optimierung wurden vorgestellt und diskutiert.

 

Nachhaltige Bodennutzung – Reihe in Fortsetzung

Seit 2019 bietet die Ökomodell-Region Süd Veranstaltungen im Rahmen des Projektes „Nachhaltige Bodennutzung“ an. Verschiedene Expertinnen und Referenten aus ganz Deutschland waren bereits zu Gast, um Praktikern Wissen in Theorie und Praxis zu vermitteln. Weitere Veranstaltungen sind in Planung und werden am Bedarf der Landwirte und den Ergebnissen aus der Forschung ausgerichtet.